Dean R Koontz by Vision

Dean R Koontz by Vision

Author:Vision [Vision]
Language: eng
Format: epub
Published: 2011-09-08T05:17:01+00:00

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MITTWOCH, 23. DEZEMBER.

Es war ein Uhr morgens, und der Regen peitschte von der offenen See her landeinwärts. Er verwandelte den trockenen Boden in glitschigen Schlamm, drückte das lange Gras auf die 110

nasse Erde und prallte in großen Tropfen von der Fahrbann ab.

Er parkte den Mercedes am Ende der asphaltierten Seiten-straße und schaltete den Motor ab. Dunkelheit umhüllte den Wagen. Es war so dunkel, daß er seine eigenen Hände am Lenkrad nicht sehen konnte. Das einzige Geräusch war das pausenlose Trommeln des Regens auf der Motorhaube und auf dem Dach. Er beschloß zu warten, bis der Sturm sich gelegt hatte. Es war die Regenzeit in Südkalifornien, aber Wolkenbrüche in dieser Stärke dauerten nie lange an.

Das Fleischermesser lag neben ihm auf dem Sitz. Er griff danach und hob es auf. Zwar konnte er es in der Dunkelheit kaum sehen, doch bereitete es ihm Genugtuung, es zu betasten. Er drückte mit dem Finger auf die haarscharf geschliffe-ne Klinge. Nicht stark genug, um sich zu verletzen, aber genug, um die Macht des Todes zu spüren, der still, aber stets bereit, in der Stahlklinge ruhte.

Um ein Uhr zehn ließ der Regen nach. Fünf Minuten später hörte er ganz auf. Er öffnete die Wagentür und stieg aus.

Die Luft war frisch und rein. Der Wind hatte aufgehört.

Links unter ihm blinkten die Lichter des Hafenbeckens wie eine Weihnachtsdekoration.

Das einzige Licht in unmittelbarer Nähe kam aus einem von drei kleinen Häusern westlich von ihm. Die drei Häuser standen auf einer Klippe mit der Vorderseite zur See und der Hintertür zu der asphaltierten Sackgasse. Das nördlichste von ihnen gehörte Erika Larssen. Es stand etwa siebzig Meter vom Nachbarhaus entfernt und war von einer Baumgruppe umgeben. Aus mehreren Fenstern schien Licht.

Wie er erwartet hatte, war Erika noch wach. Wahrscheinlich arbeitete sie an einem ihrer düsteren Aquarelle. Oder an einem ihrer freudlosen Ölgemälde voll finsterer Gesichter in Schattierungen von blau und dunkelgrün. Meistens malte sie in der Ruhe der frühen Morgenstunden und eins im Morgengrauen zu Bett.

Er ging um den Mercedes herum und klappte den Kofferraum auf. Er war vollgepackt mit Feuerwaffen: Eine italieni-sche Schrotflinte, zwei Gewehre, sieben Pistolen und Kästen voll Munition. Er wählte einen 45 Colt Automatic aus, eine Spezialanfertigung. In die Metallteile des kostbaren Sammlerstückes waren von der Mündung zum Griff hin fliehende Tiere eingraviert. Die Pistole war bereits geladen, Alle seine Waffen waren geladen. Er schob den Colt in die Jackentasche und schloß den Kofferraum.

Mit dem Messer in der Hand ging er den Pfad hinunter auf 111

das beleuchtete Haus zu, Es war so dunkel, daß er unterwegs gelegentlich über Radspuren stolperte. Seine Schuhe versan-ken zur Hälfte im Schlamm.

Mary murmelte im Schlaf vor sich hin.

Im Traum war sie bei ihrem Vater, Er sah genauso aus, wie damal5, als sie neun Jahre alt war, Sie war wieder ein Kind. Sie saßen auf einem samtweichen grünen Rasen. Die Sonne stand hoch am Himmel, direkt über ihren Köpfen, und warf keinen Schatten.

»Wenn ich den Leuten mit meinen Visionen helfen kann, vielleicht lieben sie mich dann. Ich möchte, daß mich die Leute lieben, Papi.



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